Italien, Tag 6: Vinci

Heute stand Vinci, der Geburtsort Leonardos auf dem Plan. Nach einem gemütlichen Start mit entspanntem Frühstück fuhren wir los.

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Je näher wir unserem Ziel kamen, desto dunkler wurden die Wolken, ein gewaltiges Unwetter zog auf. Dies konnte uns Abenteurer aber nicht schrecken und wir steuerten unbeirrt Vinci entgegen. Als wir um die Mittagszeit den Ortseingang passierten, waren die Wolken mittlerweile so dicht geworden, dass es eher wie Abend statt High Noon aussah. Durch Zufall fanden wir auf Anhieb in den engen Gassen einen Parkplatz in der Nähe des Museums. Kaum hatte ich die endgültige Parkposition erreicht, brach die Apokalypse über uns herein.

Mein Mann beschrieb es in seinem Reisetagebuch mit den folgenden Worten: „Ich weise zwischen SHL und H [Kennzeichen der Autos vor und hinter uns] unter dicken Regentropfen ein und hechte gerade noch rechtzeitig ins Auto, als es auch schon das erste Klonk gibt. Hagel! In Hallorenkugelgröße knallen die Dinger runter.“ Ich nannte die Dinger Tischtennisball groß und sie erzeugten einen Heidenkrach, als sie auf unser Fahrzeug trommelten.
Mittendrin statt nur dabei!

Wir harrten der Dinge(r), die da kommen mögen. Wir bestaunten den Sturzbach, der die Straße hinunter strömte und so mächtig war, dass er unser Auto auf das hinter uns stehende schob, welches diese Aktion wild blinkend quittierte.
Die Kinder waren die ganze Zeit kurz vor einer ausgewachsenen Panik, konnten sich aber durch unsere Gelassenheit ein wenig beruhigen. Meine Sorge galt der Windschutzscheibe, denn die brauchte ich nicht unbedingt noch mit Sprüngen oder gar ganz kaputt. Der Spuk dauerte ungefähr 15 Minuten und hörte schlagartig auf. Als sich dann auch noch die letzten Regenwolken verzogen hatten, stiegen wir aus und begutachteten die Situation.

Die Straße war weiß-grün, denn der Hagel hatte jede Menge Grünzeug von den Bäumen und Dachziegel von den Häusern gerissen.

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Das Auto war ordentlich zerdellt, Dach, Motorhaube und Fahrertür zierte jetzt die allerschönste Orangenhaut. Das Auto hinter uns hatte nur ein etwas zerbeultes Nummerschild von unserem Aufprall davon getragen, nichts, wofür sich jetzt großes Palaver mit Versicherungen etc. lohnte. Vermutlich gingen diese Dellen inmitten der vielen anderen unter.

Wir steuerten das Museum an und kauften uns Eintrittskarten, die wegen des Unwetters bzw. des spontanen Wassereinbruchs im Museum nur die Hälfte kosteten. Wir schauten uns um und bestaunten die ersten Modelle von da Vincis Konstruktionen.DSCN0756

Doch schon bald ging es nicht weiter, denn die netten Damen des Museums meinten, sie müssten jetzt schließen, weil in Teilen des Gebäudes der Strom ausgefallen sei. Wir fragten, wann der Strom wieder da sei, aber das konnten sie nicht sagen.

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So leicht geben wir aber nicht auf, sondern entschieden, dass wir erst mal Essen gehen würden und dann schauen, wie sich die Lage entwickelt hat. Nicht weit vom Museum fanden wir ein lauschiges kleines Restaurant mit dreisprachiger Karte, interessanten Gerichten und moderaten Preisen.

Als wir nach dem Essen zum Museum zurückkehrten, hatte es komplett geschlossen und es war auch keine der netten Damen mehr zu sehen.

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Direkt neben dem Museum liegt die Taufkirche Leonardo da Vincis, Santa Groce. Der Hagel hatte dort ebenso ordentlich gewütet und die Jahrhunderte alten Bleiglasfenster fast vollständig zerstört.

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In der Kirche waren Anwohner damit beschäftigt, die Scherben zusammen zu fegen und das Wasser aufzuwischen. Der Große hilft mit, hebt zwei Scherben auf und legt sie zu den anderen. Dieser Anblick zerreißt uns fast das Herz.

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Da wir hier heute nichts mehr ausrichten konnten, beschlossen wir, wieder nach Hause zu fahren und den heimischen Strand zu erkunden. Schnell waren die Strandhandtücher und Badesachen eingepackt und auf ging’s. Zwischen dem Camp und dem Strand ist ein ca. 500m breiter Waldstreifen. Dieser Wald hat eine ganz eigene Atmosphäre, die einen direkt an Märchen oder Gruselfilme denken lässt. Uns sind aber weder böse Feen noch verfluchte Geister begegnet, so dass wir ohne Zwischenfälle den Strand erreichten.

Der Strand selber ist enttäuschend. Voller Müll und sehr steinig, selbst im Wasser liegen überall spitze Brocken, so dass das Baden nicht wirklich viel Spaß macht. Außerdem war das Meer an diesem Tag sehr aufgewühlt und die Wellen entsprechend hoch und der Kleene stand immer kurz davor, von einer Woge überrollt zu werden, was ihm auch mächtig Angst einjagte.
Nachdem wir einmal alle kurz im Wasser waren, packten wir unsere Sachen wieder zusammen und gingen zurück ins Camp.

Wir planten am Abend noch den nächsten Tag und hofften, dass dieser Plan nicht wieder durch Wetter, Unfälle oder sonstiges durchkreuzt wird.

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