Niederlande, Tag 1: Anreise nach Opperdoes

Zu völlig unchristlicher Zeit aufgestanden, früh um 5:00 Uhr. Der Mann wollte gerade ins Bett gehen, hatte er bis dahin in der Wohnung gewirbelt, während ich als Fahrer ein paar Stunden schlafen durfte. Ein wenig grummelnd machte er sich daran, die restlichen Sachen einzupacken und in das bereits sehr volle Auto zu stapeln.

Zum Glück passten sowohl Kinder, Fahrer als auch Beifahrer noch mit hinein und so konnten wir fast wie geplant um 6:23 Uhr starten. Das erste Ziel war die Tankstelle, einmal auffüllen. Einen kurzen Kampf mit dem Navigationsgerät später, den ich leider verloren habe, da es sich partout nicht auf die nördliche Route über Oldenburg einlassen wollte, ging es auf die Autobahn. Bei Hannover bogen wir trotzig und entgegen der Navi-Anweisung auf die A7 ab und schon 20 km später ließ sich die Elektronik erweichen und wählte die gewünschte Nordstrecke.

Die Fahrt verlief ereignislos und zügig, trotz vieler Baustellen, so dass wir bereits halb 12 die niederländische Grenze passierten. Vermutlich aufgrund der enormen Zuladung hatte das Auto ausnehmend großen Durst und 100 km vorm Ziel tankten wir erneut.

Wir fuhren über den beeindruckenden, 30 km langen Afsluitdijk. Von dort waren es nur noch wenige Minuten bis zu unserem Ziel in Opperdoes, das sich als Imkerei und Pfannkuchenküche getarnt hatte.
Unsicher betraten wir das Restaurant, wo ich der Dame hinter dem Tresen auf Englisch mein Anliegen schilderte. Sie wusste sofort, was wir wollten und meinte, dass wir sehr früh da wären. Ich erklärte, dass wir Glück mit dem Verkehr hatten und selber sehr erstaunt sind, so zeitig da zu sein. War aber alles kein Problem.

Nachdem ich den Restbetrag gezahlt hatte, wurden wir zu unserem Bungalow geführt, vorbei an den Mülltonnen („Bitte Müll trennen“, was das Herz meines Mannes sofort höher schlagen ließ), durch dichtes Strauchdickicht, an zwei weiteren Hütten entlang, bis zu unserem Domizil für die nächsten zwei Wochen. Das Haus ist sehr klein, besteht nur aus einem Schlafraum mit zwei Doppelstockbetten und einem extra Bett. Notdürftig davon abgetrennt ist das Wohnzimmer und die Kochecke. Geschätzt 20 qm, mit separatem Klo. Die Duschen befinden sich einem Nebengebäude.

Toll ist allerdings der große Garten mit riesigem Trampolin und einem Fußballfeld mit zwei Toren. Der Große konnte es kaum abwarten, seinen Ball in die Finger zu kriegen und loszubolzen.

Noch während wir das Auto ausluden, ertönte lautes Gejammer: das Kind hatte den Ball in die Hecke gejagt. Genau in die Ecke mit den Brennnesseln und der Spinnenkolonnie. Zum Glück war ein wenig weiter ein Eingang in das Gestrüpp und der Rabauke zwängte sich hindurch und fand nicht nur einen einfachen Zugang, sondern auch einen zweiten Ball. Beide beförderte er nach draußen, kroch wieder raus und konnten er und seine Schwester gemeinsam spielen, ohne sich zu streiten, hatte ja nun jeder einen Ball.

Keine fünf Minuten später wieder Geheule, der „neue“ Ball war weg. Wieder im Gestrüpp, diesmal aber hinter dem Zaun, auf dem Nachbargrundstück.
Tja, wie gewonnen, so zerronnen.

Kaum hatten wir alle Sachen aus dem Auto geladen, fing es an zu regnen. Schöner, ergiebiger Landregen, der gekommen war, um zu bleiben. Wir versuchten, die Kinder zum Mittagsschlaf zu überreden, da ja alle mehr oder weniger seit 5 Uhr wach waren. Fand die Kleene nur so mittelprächtig und täterte die ganze Zeit rum, so dass auch der Große und der ganz Große keinen Schlaf fanden.

Nach 2 Stunden hatten der Regen und wir ein Einsehen und brachen spontan unser Vorhaben ab. Da wir in Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten einige Kleinigkeiten wie Küchenrolle oder Klopapier nicht mitgenommen und mein Mann zu seinem größten Ärgernis die Kaffeefilter daheim vergessen hatten, suchten wir den nächstgelegenen Supermarkt der Marke Spar auf. Wir fanden alles gewünschte und sahen außerdem, dass essentiell wichtige Dinge wie Wein entgegen aller Warnungen auch schon für kleines Geld zu haben waren.

Am meisten entsetzte mich, dass es Paracetamol frei verkäuflich gab, die 500 mg 50-Stück Packung für legendäre 89 Cent. Ich beschloss spontan, bei jedem Supermarktbesuch haushaltsübliche Mengen zu kaufen, denn durch den kürzlich erlittenen leichten Bandscheibenvorfall war ich sehr auf Schmerzmittel angewiesen. Nicht permanent, aber wenn, dann massiv.

Nach der Heimkehr von unserem kurzen Ausflug war es dann schon Zeit, Abendessen zu kochen. Wir hatten alle Zutaten für Nudeln mit Tomatensoße mitgebracht und weihten den Propangaskocher erfolgreich ein.
Eine ausgiebige Seifenblasenjagd später war endlich Bettgehzeit für die Kinder. Als Gute-Nacht-Geschichte gab es den Kleinen Prinzen, wie bereits in Italien. Ausreichende Kapitellänge, punktgenaue Kapitelanzahl und eine bezaubernde Geschichte, die man gerne mehr als einmal lesen möchte.

Bei Kapitel 1 interessierte die Kleene nur der Elefant und immer wieder unterbrach sie die Lesung durch laute Zwischenrufe: fant, fant!

Der Große schlief natürlich ob in einem der Doppelstockbetten, bei der Kleenen versuchten wir, sie in einem der Erwachsenenbetten am Boden schlafen zu lassen. Nachdem sie uns aber zweimal auf der Terrasse besuchen kam, bauten wir das Reisebett auf und verfrachteten sie hinein.
Mit Erfolg.
Keine 10 Minuten später schliefen beide Quälgeister und wir konnten zum gemütlichen Teil des Abends übergehen: Tagebuch schreiben und Gin-Tonic trinken.

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Spontan besuchten uns noch unsere Gastgeber, weil wir festgestellt hatten, dass die Bettdecken fehlten. Dass wir eigene Bettwäsche mitbringen mussten, wussten wir, dass die Bettdecken auch darunter fallen, war uns neu. Wir fragten nach und es hieß, pro Decke 6 Euro. Mag nicht viel sein, aber unser Budget ist klein und weitere 18 Euro tun weh. Wir lehnten erstmal ab, wollten es mit den Bettbezügen und dicken Pullis probieren.

Aber als die Gastgeber uns abends besuchten, ließen wir uns doch erweichen, sie boten 4 Decken für 20 Euro an. Wir brauchten aber nur 3, waren aber mittlerweile bereit, die 18 Euro auszugeben. Sie brachten dann doch 4 Decken, zum Preis von dreien.
Na gut, wer sich so viel Mühe gibt und so nett ist, soll nicht leer ausgehen.

Außerdem mach ich es gern kuschlig im Bett 🙂

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