Italien, Tag 14: Rom III

Nachdem wir unser Morgenprogramm routiniert hinter uns gebracht hatten, begaben wir uns per U-Bahn zur Repubblica. Dort angekommen überlegten wir, ob wir in die Diokletiansthermen gehen oder die Kirche uns direkt gegenüber anschauen oder doch lieber direkt Richtung Villa Borghese marschieren sollten. Und wie wir so überlegten, was wir nun machen, kristallisierte sich immer mehr „ach komm, lass uns doch einfach mal in die Kirche reinschauen, wird schon nicht so lange dauern“ heraus.

Wenn uns Rom während unseres Aufenthalts bisher eines hätte lehren sollen, dann das man in dieser Stadt „nicht mal eben so“ in eine Kirche geht und nach 5 Minuten wieder draußen ist. Ganz gleich, wie unscheinbar das Gebäude von außen aussieht. Lernresistent wie wir aber waren, betraten wir die Kirche „Santa Maria degli Angeli e dei Martiri“ und waren – mal wieder – überwältigt.

Diese Kirche ist überraschenderweise der Kunst und der Wissenschaft gewidmet. Überall an den Wänden und in Nischen werden Kunstwerke oder naturwissenschaftliche Experimente präsentiert. So gibt es ein Pendel oder Ausführungen zu Galilei.

Den Boden zieren Windrosen, Sterne, Tierkreiszeichen und eine Meridianlinie, die als Sonnenuhr fungiert. Es machte einen Heidenspass, mit dem Großen so viele Sterne wie möglich zu finden. Die üblichen sakralen Elemente gibt aber genauso und genauso prächtig, wie wir es von Rom gewöhnt waren.

Im Anschluss wagten wir den Aufstieg, welcher uns am Mosesbrunnen, auch Brunnen des glücklichen Wassers genannt, vorbei zur „Chiesa di Santa Maria della Vittoria“ führte. Diese Kirche wird in Dan Browns Illuminati erwähnt und ich wollte mir den Schauplatz anschauen, wo wir doch schon mal da waren. Die Verzückung der Heiligen Theresa ist in der Tat recht hübsch, geht aber ein klitzeklein wenig im Prunk der restlichen Kirche unter.

Von Kirchen hatten wir erstmal genug, also begaben wir uns schnurstracks zum Park der Villa Borghese. Direkt vorm Parkeingang ist ein altes Stadttor und Teile der historischen Stadtmauer zu sehen.  Der Park ist recht hübsch, mit vielen Statuen, schattigen Plätzchen und jeder Menge Eisbuden. Es gibt öffentliche Toiletten, wofür wir sehr dankbar waren. Leider gibt es auch sehr viele Familientretautos, deren Fahrer sich als sehr rücksichtslos erwiesen und die auch keinerlei Skrupel hatten, in die Teile des Parks zu fahren, die eigentlich für diese Fahrzeuge gesperrt waren.

Wir spazierten gemütlich durch den Park, rasteten am Teich, ließen den Platz von Siena rechts liegen, schauten beim Tempio di Antonino e Faustina vorbei und entdeckten die Grotta dei Vini in der Nähe des Museums Borghese.

Hinter dem Museum ist ein herrlicher kleiner Park mit vielen Statuen. Erstaunlicherweise waren dort kaum andere Besucher und es war wunderbar ruhig.

Von dort ging es weiter zum Zoo, der sich zeitgemäß Biopark nennt. Direkt am Einlass wurde unsere Vorfreude jäh getrübt, denn einfach so eine Eintrittskarte kaufen ist nicht. Wir warteten, bis einer der Schalter, an denen jeweils nur eine Familie stand, frei wurde und baten um Tickets. Doch so leicht ging es nicht. Wir mussten zuerst eine Nummer an einem Automaten ziehen und erst, wenn unsere Nummer aufgerufen wurde, durften wir an den entsprechenden Schalter treten. Da niemand nach uns wartete, fanden wir dies etwas befremdlich, trabten aber los, um eine Nummer zu ziehen.

Als diese aufgerufen wurde, gingen wir zum Schalter, aber eine andere Familie war schneller und drängelte sich vor uns. Seltsamerweise wurde diese Gruppe auch ohne Ticket abgefertigt und unser Protest ignoriert. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich am liebsten wieder gegangen, aber der Große hatte sich so sehr auf den Zoobesuch gefreut und wir wollten ihn nicht enttäuschen.

Wir warteten grummelnd, kauften endlich unsere Tickets und starteten den Rundgang. Leider wurde es im Zoo nicht besser. Viele Gehege hatten Zäune oder Begrenzungen, die die Sicht für Kinder unter 1,20-1,30m Körpergröße fast komplett verbauten. Einige Areale waren sehr klein oder enthielten nur 1 oder zwei Tiere, was bei Herdentieren wie Elefanten oder Giraffen eher unschön ist. Es wurde versucht, den Park thematisch zu gliedern, aber die Aufteilung wirkte bemüht, wenn es wie bei den Katzenartigen nur zwei Arten zu sehen gibt.

Der Bio-Gedanke, mit dem der Zoo wirbt, hat sich uns nicht direkt erschlossen. Es gab, soweit wir das erkennen konnten, keine gefährdeten Tierarten, deren Erhalt man in Angriff nehmen wollte oder besonders nachhaltige Pflege oder Konzepte. Stattdessen gab es eine Parkbahn, die aber nicht umweltfreundlich elektrisch betrieben wurde, sondern schön knattrig und Rußwolken spuckend, von einem Dieselmotor.

Was aber irgendwie am meisten störte, waren die vornehmlich italienischen Besucher. Sie waren laut und rücksichtslos und konnten offenbar nicht lesen. Denn egal, wie oft Schilder mahnten, dass die Tiere nicht gefüttert werden sollten, es wurden Nahrungsmittel aller Art in die Gehege geworfen. Am schlimmsten fand ich es in dem ansonsten wirklich sehr gelungenen Reptilienhaus. Am Eingang gab es riesige Schilder, dass man bitte leise sein sollte, keine Fotos mit Blitz machen und nicht an die Scheiben klopfen sollte.

All diese Hinweise wurden stoisch ignoriert. Es wurde an die Scheiben gehämmert, dass sie kurz vom Zerspringen standen. Der Lärm war ehrlich ohrenbetäubend. Und wie man den Blitz am Foto ausschaltet, stand vermutlich nicht im Handbuch. Alles in Allem sehr enttäuschend. Da fielen die 3 Euro zusätzlich für das Aquarium mit exotischen Fischen bei der Gesamtbewertung gar nicht mehr ins Gewicht. Wir schenkten uns das aber, der reguläre Eintritt war mit 16 Euro schon heftig genug. Ich hab nun schon einige Zoos gesehen und dies war mit Abstand der unattraktivste von allen.

Als wir unseren Rundgang beendet hatten, genossen wir noch ein wenig die Ruhe im Park, während wir zur Bushaltestelle liefen. Der Bus Nummer 160 brachte uns direkt zu den Caracalla-Thermen. Dank des Roma Passes zahlten wir nur 3 Euro pro Erwachsenen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kommen kostenlos rein.

Was für ein Unterschied zum Zoo. Nur wenige Besucher hatten sich an diesem Tag dorthin verirrt und die paar verliefen sich zudem noch auf dem weitläufigen Gelände. Von den Badehäusern ist nicht mehr so viel übrig geblieben, aber die Archäologen haben sich bemüht, mittels Schautafeln und Rekonstruktionen einen guten Eindruck zu vermitteln, wie sich das öffentliche Leben in den Thermen gestaltete. Für den interessierten Besucher gibt es viel zu sehen, Kinder hingegen können gefahrlos rumrennen, alles ist gut abgesperrt und gesichert.

Uns blieb noch ein letzter Punkt auf unserer Liste: die Spanische Treppe. Wir fuhren wieder mit dem Bus Nummer 160 zum Piazza del Popolo, wo wir uns als erstes die Basilika Santa Maria del Popolo anschauten. Die Kirche zeigt sich gewohnt prunkvoll und wirklich jede Nische ist mit einem Altar für einen der vielen Heiligen ausgestattet. Bernini hatte wieder seine Finger im Spiel und die Chigi-Kapelle (war leider bei unserem Besuch wegen Restaurationsarbeiten eingerüstet 😦 ) tauchte bei Dan Brown auf. Ein Besuch lohnt sich also.

Wieder im Freien, schauten wir uns auf dem Platz um. Ein schöner Brunnen verziert die Mitte und ein Obelisk steht auch dekorativ in der Gegend rum. An den Seiten stehen prächtige Säulen, welche kleinere Brunnen säumen. Der gesamte Platz wird von Menschenmassen dominiert, was mitten im Zentrum am Anfang einer der berühmtesten Einkaufsmeilen nicht wirklich verwundert.

Proportional zur Menschenmenge ist hier auch die Kirchendichte. Nach der dritten Kirche haben wir aufgehört, uns die Namen zu merken oder überhaupt noch Fotos zu machen. Dennoch sollen die Zwillingskirchen Santa Maria dei Miracoli und Santa Maria in Montesante nicht unerwähnt bleiben. Erstere haben wir besucht, letztere links liegen gelassen. Ich nutzte endlich die Gelegenheit, um eine Kerze für meine 2010 verstorbene Oma anzuzünden.

An der Spanischen Treppe angekommen, haben wir von selbiger nicht viel gesehen, da es einfach zu viele Menschen waren. An sich wollten wir uns noch den Trevi-Brunnen anschauen, aber der war wegen Bauarbeiten komplett eingerüstet und es gab nur einen billigen Abklatsch daneben. Da es mittlerweile recht spät geworden war, nutzen wir den direkt unter der Treppe gelegenen U-Bahnhof Spagna, um uns schnellstens zum Old Marconi zu begeben, wo leckeres Essen und zwei eiskalte Limoncello (Limoncelli?) auf uns warteten.

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