Italien, Tag 12: Rom I

Da das Frühstück im Hotel eher spartanisch war und wirklich nur der Sättigung diente, machten wir uns zeitig auf den Weg zur U-Bahn-Station Battistini. Ich hatte mich zwar vorher ausgiebig über den Roma Pass belesen, war aber dennoch skeptisch, ob der Erwerb reibungslos klappte. Die Dame am Schalter verkaufte uns jedoch den Pass nach unseren Wünschen und auch das erste Mal Durchziehen am Drehkreuz zum Bahnsteig ging ohne Probleme. Battistini ist die Endhaltestelle der U-Bahn-Linie und so wartete schon ein Zug auf uns. Kurze Zeit später spuckte uns diese U-Bahn an der Ottaviano in der Nähe der Vatikanstadt wieder aus.

An unzähligen fliegenden Händlern vorbei liefen wir auf den Petersdom zu. Alle Händler wollten uns Tickets für die Sixtinische Kapelle ohne Wartezeit andrehen und selbst, wenn wir da hingewollt hätten, hätten wir die Tickets nicht gekauft, zu dubios erschien uns die Sache. Selbst die Händler mit Ansteckern und Ausweisen, auf denen „official guide“ stand, waren mir suspekt. Bestätigt wurde mein Eindruck, als ich mich verbal gegen einen allzu aufdringlichen Händler wehrte und der sofort beleidigend auf mich einredete, bis wir endlich aus seiner Reichweite waren.

Der Petersplatz war von Menschenmassen gesäumt, von denen die meisten auf Einlass in den Petersdom bzw. die Sixtinische Kapelle warteten. Zudem waren auf dem gesamten Platz Stuhlreihen für eine bevorstehende Veranstaltung aufgereiht, so dass vom Platz und vom Pflaster fast nichts zu sehen war. Damit konnte ich auch nicht nach den in den Boden eingelassenen und bei Dan Brown erwähnten Reliefs Ausschau halten. Der Dom ist in seiner Größe beeindruckend und überragt alle umliegenden Gebäude. Selbst der Baukran im Hintergrund konnte diesen Eindruck nicht schmälern.

Über die Piazza della Rovera stiegen wir die Passegiata del Gianicolo, am Faro degli Italiano d’Argentina vorbei, hinauf zum Piazza Garibaldi. Von dort hat man eine wunderbare Aussicht über Rom. Unterhalb der Aussichtsterrasse gibt es eine öffentliche Toilette, bei der man für 1 Euro eines der dreckigsten Klos Italiens bestaunen kann.

Unser Weg führte uns weiter zum Botanischen Garten, aber unterwegs überraschte uns ein ausgiebiger Regenschauer und wir suchten Schutz unter zwei großen Bäumen. Zwei Pärchen suchten ebenfalls und so harrten wir zu Sechst auf das Ende des Regens. Nach 15 Minuten boten die Bäume keinen wirklichen Schutz mehr und wir setzten unseren Weg fort. Zum Glück ließ der Regen zur gleichen Zeit ein wenig nach, was aber die nächste Händlerschar nicht davon abhielt, uns einen Regenschirm nach dem anderen andrehen zu wollen.

Am Botanischen Garten angekommen, stellten wir fest, dass der Regen wieder stärker wurde und es entgegen unserer Hoffnung so gut wie keine Gewächshäuser gab, in denen wir hätten Zuflucht suchen können. Selbst das Tickethäuschen hatte nur ein minimal überstehendes Dach. Außerdem sah der Garten von außen recht ungepflegt aus und wir beschlossen spontan, uns den Eintritt zu schenken. Stattdessen und weil die Süße in der Zwischenzeit sehr quenglig wurde, schauten wir in den Palazzo Corsini. Dort konnten wir die Kleene in Ruhe auf einer der großen Treppen oberhalb des Museumseingangs versorgen und den Regen abwarten. Nur zwei oder drei Mal kam jemand aus den oberen Stockwerken herab, guckte ein wenig seltsam, bevor er oder sie kommentarlos den Weg fortsetzte.

Als die Sonne den Regen vertrieben hatte, machten wir uns auf zur Engelsburg. Unterwegs holten wir uns Sandwiches, die sehr lecker und mit 3 Euro pro Stück durchaus im Rahmen waren. Der Weg am Tiber entlang ist recht malerisch und mit nahrhaften belegten Brötchen in der Hand auch gar nicht lang.

Vor der Engelsburg versuchten diverse Kleinkünstler den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. In Erinnerung geblieben ist ein Mann, der sich als Baby verkleidet in einen modifizierten Kinderwagen gequetscht hatte und nun die Menschen mit nervigstem Gejaule, das wohl an Kindergeschrei erinnern sollte, um Kleingeld anbettelte. Uns hat es allerdings nur von dort direkt vertrieben, hin zum Eingang der Engelsburg (Link leider nur in Italienisch). Wir zückten unsere Roma Pässe und schon waren wir ohne Eintritt zahlen zu müssen drin. Ansonsten kostet der Eintritt 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für EU-Bürger zwischen 18 und 25 Jahren, Kinder unter 18 Jahren sind frei. Der Eintritt lohnt sich auf jeden Fall.

Wir erkundeten die Burg nach Herzenslust, nahmen jede kleine Nebenausstellung mit, schauten in alle päpstlichen Gemächer, zu denen uns Zutritt gewährt wurde, bestaunten alte Rüstungen und Gemälde (Einhörner!) und liefen den Wachen gleich über die Wehrgänge. Nur an die große Balliste in einem der Innenhöfe wollten sie uns nicht ranlassen. Als wir auf der Aussichtsplattform standen, fing es wieder an zu regnen und wir zogen uns in einen der Außengänge (oder Loggia [auf der Suche nach dem richtigen Begriff stolperten wir über diesen Blogeintrag, der unter anderem die sehr wechselvolle Geschichte der Engelsburgengel amüsant beschreibt]) zurück, versorgten das Baby und genossen die Aussicht Richtung Pantheon.

Als wir alles gesehen und der Regen aufgehört hatte, war noch erstaunlich viel vom Tag übrig und wir beschlossen, Teile des Plans für den nächsten Tag jetzt schon zu absolvieren. Über die Aeliusbrücke mit ihren 12 sehr schönen Statuen liefen wir zur Piazza Navona mit den drei berühmten Brunnen. Natürlich schauten wir uns alle drei ausgiebig an. Zwischendurch besuchten wir die Kirche Sant’Agnese in Agone. Auf deren Stufen saß ein Invalide, dem beide Beine und ein Unterarm fehlte und der um Almosen bat. Der Große hatte nichts Besseres zu tun, als diesen Mann laut auszulachen. Das gab zuerst eine mittlere Standpauke, danach musste er zu dem Mann hingehen, sich entschuldigen (sorry) und ihm einen Euro in den hingehaltenen Becher legen. (Abends besprachen wir nochmals die Situation, weil wir das so ärgerlich fanden und es nicht das ist, was wir dem Kind beigebracht hatten.)

Die Kirche selbst ist sehr schön und es herrscht absolutes Fotoverbot, an das sich aber niemand gehalten hat. Ich habe immerhin versucht, ein paar ordentliche Bilder ohne Blitz zu kriegen, aber die meisten knipsten munter drauf los und die Handvoll Wächter waren das Ermahnen leid und ließen sie gewähren.

Am Pantheon angekommen, brannten uns die Füße und der Magen knurrte, so dass wir tatsächlich ins erste Etablissement am Platze einkehrten, dem Ristorante Di Rienzo. Mittelschwerer Fehler, wie sich hinterher herausstellte, aber hätten wir auch selber drauf kommen können. Die Portionen waren durchaus lecker, aber überschaubar und damit schon ein wenig preisintensiv. Getoppt wurde das durch den nirgends, zumindest nicht für uns offensichtlich, aufgeführten Copperto von insgesamt 5 Euro und durch den überteuerten Hauswein, der in der Karte mit 7 Euro für den halben Liter ausgeschrieben stand, letztendlich aber 10 Euro kostete. Hätten wir sicherlich diskutieren können, aber nach dem bereits recht langen Tag fehlte uns irgendwie der Nerv dazu.

Stattdessen widmeten wir uns dem Pantheon, diesem Jahrtausende alten heidnischen Vielgöttertempel, der irgendwann zur Kirche umgewidmet wurde. Dadurch hat dieses Gotteshaus eine für das Christentum untypische runde Form, was aber dem Gesamteindruck nicht schadet. Durch den Regen zuvor war ein Stückchen des Innenraums abgesperrt, denn durch das 9 Meter im Durchmesser große Opaion in der Kuppel dringt nicht nur Licht, sondern auch Wasser. Fand der Große total faszinierend, ein Loch in der Decke, sowas aber auch.

Hinter dem Pantheon versiegt der Touristenstrom fast schlagartig und so ist der kleinste Obelisk Roms mitten in der Öffentlichkeit ganz gut versteckt. Die Tarnkünste schlägt allerdings die direkt dahinter liegende  Kirche Basilica di Santa Maria Sopra Minerva. Von außen zieren die langweilig beige verputzte Fassade bloß drei bunte Rundfenster und nur die große Doppeltür deutet an, dass sich Großes dahinter befindet.

Als wir die Kirche betraten, hat uns der Innenraum fast erschlagen, so überwältigend reich verziert ist dieser. Eine dem Sternenhimmel nachempfundene Decke, mit grünem Marmor verzierte Säulen, unzählige kleine Altäre und Kapellen, eine gewaltige zweiteilige Orgel. So viele Einzelheiten, dass wir gar nicht wussten, wo wir zuerst hinschauten sollten.

Zwei Blocks weiter liegt die Chiesa Rettoria Santissime Stimmate. Von außen nicht ganz so unscheinbar, immerhin zieren hier ein paar Säulen und schwere Eisentore den Eingang, ist auch das Innere durchaus grandios. Leider fand gerade ein Gottesdienst statt und da wir nicht stören wollten, verließen wir die Kirche wieder.

Am Altar des Vaterlandes angekommen, stellten wir fest, dass der bereits geschlossen hatte, war in der Zwischenzeit auch schon spät geworden. So suchten wir uns einen Bus, der uns zum Kolosseum und damit zur nächsten U-Bahn-Station bringen würde. Mitten in der Rush-Hour echt kein Vergnügen, noch dazu mit vor den Bauch geschnallten Baby. Mehrfach wurde ich angerempelt und erst, als ich in gebrochenen Italienisch anmerkte, dass da ein Baby sei, entschuldigten sich die Leute und hielten ein wenig Abstand. Bereits an der übernächsten Station war der Bus so voll, dass niemand hinzusteigen konnte. Einer älteren Dame war das aber gar nicht recht, so trommelte mit ihrer Gehhilfe an sämtliche Türen des Busses, schimpfte dabei lautstark, aber es half alles nichts, voll ist voll.

DSCN2673

Am Kolosseum angekommen, wechselten wir ohne Verzögerung in die U-Bahn, welche uns wieder zur Battistini brachte. Waren wir auf dem Hinweg noch drumherum gekommen, blieb uns auf dem Rückweg keine Wahl: der Große musste unbedingt seine immer noch vorhandene überschüssige Energie auf dem Spielplatz loswerden. Der kleine Park liegt direkt neben dem Rummelplatz „Eden Park“ und ist bis ca. 20 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Spielplatz ist sehr sauber und die Spielgeräte sind neu und haben unserem Kind mächtig Spaß gemacht.

Und weil sich die ganz Großen auch eine Belohnung verdient haben, gab es due Heineken grandi auf den rumänischen Schaukeln. Danach nur noch ab ins Hotel, Füße hochlegen, Tagebuch schreiben und dann erschöpft ins Bett fallen.

Ein Gedanke zu “Italien, Tag 12: Rom I

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s